Gelöschte Dateien wiederherstellen, ohne Software zu kaufen
Symptom
Eine wichtige Datei oder ein Ordner ist versehentlich gelöscht und auch der Papierkorb ist bereits geleert.
Symptom
Eine wichtige Datei oder ein Ordner ist versehentlich gelöscht und auch der Papierkorb ist bereits geleert.
Der Ordner mit den Rechnungen der letzten drei Monate ist verschwunden. Beim Aufräumen hast du ihn markiert, Entf gedrückt und kurz darauf den Papierkorb geleert, weil dort ohnehin viel Altlast lag. Jetzt fällt dir ein, dass du genau diese Unterlagen nächste Woche für den Steuerberater brauchst. Bevor du hektisch das erstbeste Datenrettungsprogramm kaufst: In vielen Fällen bekommst du die Dateien kostenlos zurück, wenn du in der richtigen Reihenfolge vorgehst und einen häufigen Fehler vermeidest.
Wenn du eine Datei löschst und danach den Papierkorb leerst, verschwindet sie gefühlt für immer. Technisch passiert etwas anderes: Windows markiert den Speicherplatz nur als „frei“, der eigentliche Inhalt bleibt zunächst auf der Platte liegen. Erst wenn neue Daten genau über diese Stelle geschrieben werden, ist die Datei wirklich verloren. Genau deshalb entscheidet dein Verhalten in den nächsten Minuten darüber, wie gut die Chancen stehen.
Zwei Dinge solltest du dabei ehrlich einordnen. Auf einer klassischen Festplatte (HDD) sind die Aussichten oft gut, solange nichts überschrieben wurde. Auf einer SSD räumt eine Funktion namens TRIM gelöschte Bereiche im Hintergrund von selbst auf, weshalb die Chancen dort schneller sinken. Und je wichtiger die Datei, desto eher lohnt es sich, ruhig und systematisch vorzugehen statt wild Programme zu installieren.
Die wichtigste Regel klingt banal, wird aber ständig missachtet: Auf dem Laufwerk, von dem die Datei stammt, darf ab jetzt so wenig wie möglich geschrieben werden. Jeder Download, jede neue Datei und jede Programminstallation kann ausgerechnet die Stelle überschreiben, an der deine Daten noch liegen.
Konkret heißt das:
Besonders heikel ist es, wenn die Datei auf dem Systemlaufwerk C: lag, denn dort schreibt Windows im Hintergrund permanent weiter. Wenn es um wirklich wichtige Daten geht, kannst du die Arbeit an diesem PC vorerst einstellen und die Wiederherstellung von einem anderen Gerät oder einem USB-Stick aus vorbereiten.
Nicht jeder Weg passt zu jeder Situation. Diese Reihenfolge geht vom einfachsten und sichersten zum aufwendigsten:
Arbeite die Liste von oben nach unten ab und höre auf, sobald du deine Datei wieder hast.
1. Papierkorb wirklich prüfen. Öffne den Papierkorb und sortiere die Ansicht über die Spalte Gelöscht am. Manchmal wurde nur ein Teil geleert, oder die Datei liegt unter einem leicht anderen Namen dort. Mit Rechtsklick und Wiederherstellen landet sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort.
2. Cloud-Papierkorb ansehen. Lag der Ordner in OneDrive oder Google Drive, hast du eine zweite Chance. Beide Dienste haben einen eigenen Online-Papierkorb, der gelöschte Dateien in der Regel rund 30 Tage aufbewahrt. Melde dich im Browser bei deinem Konto an und öffne dort den Papierkorb. Bei OneDrive findest du zusätzlich über den Rechtsklick auf eine Datei den Punkt Versionsverlauf, mit dem sich frühere Stände zurückholen lassen.
3. Vorgängerversionen öffnen. Windows kann ältere Fassungen eines Ordners vorhalten, wenn ein Wiederherstellungspunkt oder der Dateiversionsverlauf aktiv war. Klicke mit der rechten Maustaste auf den Ordner, der die Datei enthielt (oder auf den übergeordneten Ordner), wähle Eigenschaften und dann den Reiter Vorgängerversionen. Erscheint hier ein Eintrag mit einem Datum vor dem Löschen, wähle ihn aus und klicke auf Öffnen, um hineinzuschauen, oder auf Wiederherstellen. Kopiere die gefundene Datei sicherheitshalber gleich auf ein anderes Laufwerk.
Der Dateiversionsverlauf (englisch File History) ist das eingebaute Backup von Windows für persönliche Dateien. Er hilft dir hier allerdings nur, wenn er vor dem Missgeschick schon eingeschaltet war. Prüfe es so: Öffne die Systemsteuerung, tippe oben rechts Dateiversionsverlauf in die Suche und klicke links auf Persönliche Dateien wiederherstellen. Mit den Pfeilen am unteren Rand blätterst du zu einem Zeitpunkt vor dem Löschen, wählst Datei oder Ordner aus und klickst auf den grünen Wiederherstellen-Knopf.
Hat bisher nichts geklappt, kommt das kostenlose Windows File Recovery von Microsoft ins Spiel. Es ist ein offizielles Werkzeug für Windows 10 und Windows 11, das du gratis aus dem Microsoft Store installierst. Der Haken: Bedient wird es über die Kommandozeile, eine grafische Oberfläche gibt es nicht. Wenn du dich damit unwohl fühlst, ist das völlig in Ordnung, dann überspringe diesen Punkt und lies beim nächsten Abschnitt weiter.
Nach der Installation startest du das Tool, indem du die Windows-Taste drückst, Windows File Recovery eintippst und den Treffer auswählst. Der grundsätzliche Befehl sieht so aus:
winfr Quelllaufwerk: Ziellaufwerk: [/mode] [/switches]
Wichtig ist, dass Quell- und Ziellaufwerk verschieden sein müssen. Du kannst also nicht von C: nach C: retten, sondern brauchst als Ziel zum Beispiel einen USB-Stick oder eine externe Festplatte. Ein Beispiel, das alle PDF-Dateien vom Laufwerk C: auf das Laufwerk E: wiederherstellt:
winfr C: E: /regular /n *.pdf
Der Modus /regular ist die Standardwahl für kürzlich gelöschte Dateien auf einer intakten NTFS-Platte. Bringt das nichts, versuchst du es mit /extensive, dem gründlicheren Modus, der auch bei FAT, exFAT oder beschädigten Laufwerken greift. Windows File Recovery legt am Ziel automatisch einen Unterordner an, in dem die gefundenen Dateien landen. Falls du dafür eine externe Platte anschließen willst, die gar nicht auftaucht, hilft dir unsere Anleitung externe Festplatte wird nicht erkannt weiter.
Es gibt zwei Situationen, in denen du das Selbermachen bewusst beenden solltest. Die erste: Der Datenträger macht Klickgeräusche, wird gar nicht mehr erkannt oder ist heruntergefallen. Dann liegt ein körperlicher Defekt nahe, und jeder weitere Einschaltversuch kann den Schaden vergrößern. Schalte das Gerät aus und überlass es einem spezialisierten Labor.
Die zweite: Die Daten sind sehr wertvoll (etwa die einzige Kopie wichtiger Firmenunterlagen), und die kostenlosen Wege haben nichts gebracht. Ein seriöser Datenrettungsdienst analysiert den Datenträger und nennt dir vorab einen Preis. Das kostet je nach Aufwand schnell mehrere Hundert Euro, kann sich bei unersetzbaren Daten aber lohnen. Sei vorsichtig bei Programmen, die im Netz eine „garantierte“ Wunderrettung für kleines Geld versprechen und dich zum Kauf drängen, bevor du überhaupt weißt, ob sie deine Datei überhaupt finden.
Der Ärger von heute ist der beste Anlass, endlich ein Backup einzurichten. Schalte den Dateiversionsverlauf ein und schließe dafür eine externe Platte an, dann sichert Windows deine persönlichen Ordner künftig automatisch. Eine ausführliche Anleitung dazu findest du in unserem Ratgeber Backup einrichten unter Windows. Bewährt hat sich die einfache Regel, wichtige Daten an mehreren Orten zu halten, zum Beispiel lokal und zusätzlich in einer Cloud.
Achte nebenbei darauf, dass dein Systemlaufwerk nicht komplett vollläuft, denn ein randvolles C: bringt nicht nur Windows ins Stocken, sondern lässt auch dem Dateiversionsverlauf keinen Platz mehr. Falls es bei dir eng wird, hilft dir die Anleitung Laufwerk C: ist voll beim Aufräumen. Mit einem laufenden Backup ist das nächste versehentliche Löschen kein Drama mehr, sondern nur ein kurzer Klick auf Wiederherstellen.
Quellen:
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